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Vaihinger Kreiszeitung, 07.09.06

HIER PRESSEBERICHTE AUS MEINER GEWERBLICHEN ZEIT:

Glockenguss live
zur Firmengündung von signum-dare.de

Der Vaihinger Reinhard Wahl baut Glockenstühle für Räume und handelt mit Glocken

Vaihingen (p)
Kirchenglocken kennt jeder. Aber Glocken in normalen Räumen? Für Reinhard Wahl ist das überhaupt nicht abwegig. Als Altarglocken erklingen sie in katholischen Messen, in den Tagzeitengebeten vieler Klöster haben von Hand geschlagene Glocken ihren festen Platz. Seit ein paar Jahren kommt aber eine neue Entwicklung hinzu: An vielen Orten werden Räume der Stille eingerichtet. Meditation und Kontemplation finden wieder Heimat im christlichen Spektrum – vor allem in der Erwachsenenbildung, in Klöstern und Einkehrhäusern. Dabei stellt sich die liturgische Frage, wie Zeiten der Stille begonnen und beendet werden. Glocken haben hier eine faszinierende Eigenschaft – sie führen mit dem Abklingen Ihres Tons unwillkürlich in die Stille. Man kann das wirklich erleben, sagt Wahl aus eigener Erfahrung: „Stiller kann es gar nicht werden, als nach einem Glockenschlag.“
Der gelernte Glaser und Kaufmann wollte vor drei Jahren selbst eine Glocke erwerben. Er sah sich einer komplexen Aufgabe gegenüber. Welche Form einer Glocke sollte er gießen lassen? Wie die Qualität beschreiben? Wahl nahm mit verschiedenen Gießereien Kontakt auf, bekam höchst unterschiedliche Angebote, musste sich mit einer ganzen Wissenschaft befassen. Seitdem hat er sich Schritt für Schritt zum Glockenfachmann entwickelt. Jetzt traut er sich zu, das Problem des unüberschaubaren Marktes für normale Menschen durchschaubar zu machen. Er hat deshalb eine Firma gegründet. Signum-dare.de (lat. „ein Zeichen geben“) handelt mit Glocken für Räume. Bis 57 kg reicht das Spektrum der Angebote. Natürlich sind die Glocken bereits an Glockenstühlen montiert. Der Kunde muss also keine Zimmerei und Schlosserei zusätzlich beschäftigen. Die Glocken werden gebeiert, das heißt der Klöppel wird von Hand angeschlagen. Alternativ können die Glocken auch von außen mit einem Hammer angeschlagen werden, wie beim Stundenschlag im Kirchturm, nur eben von Hand. Alle Glocken sind ständig zu besichtigen, denn die Firma hat ihr Ladengeschäft im Internet. Nach Absprache können Interessierte die Glocken auch in Vaihingen vor Ort erleben.
Als Auftakt zur Firmengründung bietet Reinhard Wahl am Samstag 9. September einen Tag der offenen Tür auf seinem Betriebsgelände in der Heilbronner Straße 24 in Vaihingen an. Höhepunkt des Tages wird der Guss von drei Glocken durch den Schwäbisch Haller Gießer Peter Glasbrenner sein. Nach rund zwei Stunden Aufheizzeit wird um 11.00 Uhr nach traditionellem Gebet gegossen. Die Bronze hat dann 1100 Grad Celsius erreicht und ist flüssig. Glasbrenner hat im Auftrag von signum-dare.de drei Spezialitäten geformt: Zwei leichte Glocken mit zusammen 61 kg in der Rippe des Schwäbisch Haller Gießers Carl Kirchdörfer, der im 19. Jahrhundert gearbeitet hat. Diese Glocken haben für ihre Größe einen besonders tiefen Ton. Die dritte Glocke mit 25 kg wird in Form einer frühromanischen Bienenkorbglocke gegossen - eine Nachbildung der ersten größeren Glocken in Europa – mit ungewöhnlichem Klang. Nach der Hitze des Gusses werden Glasbrenner und viele Gäste Hunger und Durst haben. Wahl hat deshalb ein Weisswurstessen vorbereitet.
Ungewöhnlich ist, dass beim Fest zur Firmeneröffnung die ganze Entwicklung der Glocken in Europa besichtigt und klanglich erlebt werden kann. Je zwei Glocken werden die wesentlichen Stationen abbilden. Reinhard Wahl bietet stündlich kurze Führungen an. Spannend auch die Tonanalyse des Firmenschilds von signum-dare.de: Nach 14.00 Uhr wird Glockengießer Peter Glasbrenner die 350 kg schwere Gussstahlglocke von 1922 mit geeichten Stimmgabeln vermessen.
Um 17.00 Uhr dann der entscheidende Moment des Tages: Sind die neu gegossenen Glocken gelungen? Die kleinere Kirchdörfer und die Bienenkorbglocke mit je rund 25 kg werden so weit abgekühlt sein, dass die Lehmform zerschlagen werden kann. Die größere Kirchdörfer darf erst in den folgenden Tagen geöffnet werden. Mit ihren 36 kg braucht sie wesentlich länger zum Abkühlen. Ein zu frühes Öffnen würde sie zerstören.

Vaihinger Kreiszeitung, 07.09.06 - Glockenlager

Vaihinger Kreiszeitung, 07.09.06 - Glasbrenner

Ludwigsburger Kreiszeitung, 11.09.06

Bietigheimer Zeitung, 12.09.06

HANDWERK / DEMONSTRATION ALTER KUNST VOR INTERESSIERTEM PUBLIKUM BEI TAG DER OFFENEN TÜR UNTERM KALTENSTEIN

Glockenhandel in Vaihingen mit einem Guss eingeweiht

VAIHINGEN. Am Samstag gab es unter dem Kaltenstein in der Heilbronner Straße einen Glockenguss zu erleben. Der Vaihinger Reinhard Wahl präsentierte zur Firmengründung bei einem Tag der offenen Tür das seltene handwerkliche Schauspiel.

Der Schwäbisch-Haller Gießer Peter Glasbrenner demonstrierte die faszinierende Fertigung von Glocken. Glocken sind seit jeher Signale für viele unterschiedliche Ereignisse. Allein rund 50 Begriffe gab es bereits im 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem akustischen Zeichengeber. Von der Alarmglocke über die Türglocke bis hin zur Vesperglocke.

Reinhard Wahl kennt sich auf diesem Gebiet aus und gibt seine Kenntnisse gerne weiter. Am Samstagmorgen lauschten sehr viele Interessierte seinem Vortrag über das Geläut und die Gegebenheiten. Der gelernte Glaser und Kaufmann handelt mit Glocken und baut dazu die passenden Glockenstühle. Sein Unternehmen Signum-dare.de bietet eine Angebotspalette bis zu 57 Kilogramm. Aus dem Latein übersetzt lautet die Firmenbezeichnung "ein Zeichen geben". Es sind Glocken für Räume der Stille, der Meditation, der Kontemplation und der Andacht sowie für Kapellen.

Eine große Glocke aus Stahl wies den Weg in den Hof, in dem weitere Prachtexemplare in verschiedenen Größen und Formen zu bestaunen waren. Nach dem zweiten Weltkrieg sei man schrittweise von Stahl weg gekommen, erzählt Reinhard Wahl dem interessierten Publikum. Das Experimentieren mit Formen, Neugestaltungen und modernen Glocken, am Computer modifiziert, hätten in neuester Zeit wieder zugenommen. Mit der Zier dürfe man allerdings nicht übertreiben, es könne das Geläut zu sehr im Ton beeinflussen.

Auch das öffentliche Interesse für Glocken wäre gestiegen. So gebe es in Bayern eine Fachhochschule, die sich mit dem Thema Glockenguss beschäftige.

Hinter der Glockengießerei steckt eine besondere Handwerk-Philosophie. So beschreitet jede Gießerei ihren eigenen Weg, mit den ureigenen Rippen, die meist zusammen mit den Kenntnissen in Erbfolge gehen.

Den Guss von drei Glocken hatte sich Peter Glasbrenner für die Präsentation vorgenommen. Nach zwei Stunden Aufheizzeit hatte die Bronze die Temperatur von 1100 Grad Celsius erreicht und ist im flüssigen Zustand. Zum ersten Guss gab es dann gleich den Vorführeffekt. Die flüssige Bronze trat unterhalb der Form aus, sodass später, nach Entnahme aus der Rippe, ein unförmiger Klumpen anhing. Die Glocke jedenfalls zeigte sich in vollständiger Form. Der Glockengießer werde die kleine Verunstaltung mit handwerklichem Geschick ausgleichen können, so Reinhard Wahl. Die zwei weiteren Güsse konnten noch nicht geöffnet werde, da die Form noch nicht genügend abgekühlt war.

Ebenfalls mit Spannung erwarteten die Gäste die Tonanalyse des "Firmenschilds". Die wegweisende 350 Kilogramm schwere Gussstahlglocke aus dem Jahr 1922 wurde von Peter Glasbrenner mit geeichten Stimmgabeln vermessen.

Das traditionelle Gebet vor dem Glockenguss sprach Pfarrer Thomas Moser. „Wir wissen nicht, wo und wer sie schlägt, doch wir hoffen, dass die Glocke dem Frieden und der Gerechtigkeit dienen wird", lautete der Segen des Seelsorgers.

VON RUDI KERN

Bietigheimer Zeitung, 12.09.06

Bietigheimer Zeitung, 12.09.06

Vaihinger Kreiszeitung, 13.09.06